Review & Impressionen

Am 11.05.2017 fand unser diesjähriges Wissensforum Think Change mit dem Thema „Connect to act“ in der Zeche Zollverein in Essen statt. Es drehte sich dabei alles um „Vernetzung“ und unsere Referenten beleuchteten verschiedene Aspekte desselben Phänomens. Konnektivität betrifft jeden Bereich unseres Lebens: unsere Häuser und Autos werden immer smarter, Apps und Digital Services sind fester Bestandteil unseres Alltags, wir sind allseits vernetzt und ständig erreichbar. Big Data, Cloud-Computing, Automation oder das Internet der Dinge sind Trends im Zeitalter der Digitalisierung, die Wertschöpfungspotenzial bieten und heute schon Realität sind. Allen Beiträgen dieses Tages war daher eines gemein: die Erkenntnis, dass wir als Individuen und als Unternehmen diesen Herausforderungen offen und lernend gegenübertreten sollten. Die Zukunft wird spannend!

Prof. Dr. Ing. Peter Burggräf – Digital Native Company

In seiner Keynote „Digital Native Company“ stellte Herr Prof. Dr. Ing. Peter Burggräf vor, wie wir als Gesellschaft im Spannungsfeld der Digitalisierung und fortschreitenden Vernetzung voranschreiten können. Laut Prof. Burggräf leben wir in einer industriellen Revolution, die als eine Art Brückentechnologie fungiert und maßgeblich durch Zusammenarbeit, Kooperationssteigerung und Automation bestimmt wird. Junge, digital native Unternehmen, die mit moderner Software und Technik agieren, haben einen entscheiden Vorteil: Sie können probieren, sich schnell an veränderte Anforderungen anpassen und Trends setzen und vorantreiben. Digitale Game Changer verändern ihre Branchen radikal, der Faktor Vernetzung begünstigt ihre Geschäftsmodelle: Services und Systeme können ortsunabhängig angeboten und aktualisiert werden, die Weiterentwicklung des Produkts findet praktisch während dessen Gebrauchs statt. Vernetzung ist also der Wegbereiter für jegliche Innovation der Zukunft, wer Wandel erleben will sollte sie beachten und über bekannte Strukturen hinausdenken.

Veselin Kozhuharov – Die Peer-to-Peer-Zukunft der Energiewirtschaft: Wird Strom bald so geliefert wie Datenpakete im Internet?

Szenenwechsel: „Die Peer-to-Peer-Zukunft der Energiewirtschaft: Wird Strom bald so geliefert wie Datenpakete im Internet?“ Veselin Kozhuharov besprach mit uns die drei großen Trends der Energiewirtschaft: Dekarbonisierung, Dezentralisierung und Digitalisierung. Die Bundesregierung hat das Ziel ausgegeben, bis 2050 CO2 neutral zu sein. Um dies zu erreichen müssen die einzelnen Sektoren der Energiegewinnung – Wärmeerzeugung, Verkehr und Stromerzeugung – miteinander vernetzt werden. Wurde Energie bisher von bestimmten Anbietern in Großkraftwerken gewonnen, an der Börse weiter gehandelt und drop-down per Verteilnetz an den Verbraucher weitergegeben, kann heute Energie schon dezentral z.B. im eigenen Zuhause erzeugt und peer-to-peer über Blockchain-Technologien weitergegeben werden. Die Digitalisierung tritt hier als Innovationstreiber auf. Alte Geschäftsmodelle erodieren und junge Start-Ups mit innovativen Ideen drängen in den Markt. In der hochkomplexen Welt der Energiewirtschaft ist technisch bereits vieles möglich, deshalb investieren sowohl junge Anbieter als auch große Konzerne in verschiedenste Testprojekte, die den Weg in die Zukunft ebnen sollen. Der Kunde selbst wünscht sich bei allen Möglichkeiten einfache, funktionierende Produkte – so ist es nicht wichtig, der erste zu sein, sondern rechtzeitig Innovation zu ermöglichen.

Prof. Dr. Maik Eisenbeiß – Die Vernetzung von On- und Offline-Marketing

Prof. Dr. Maik Eisenbeiß diskutierte in seinem Beitrag „Die Vernetzung von On- und Offline-Marketing“ mit uns Chancen und Herausforderungen die eine Verbindung beider Marketingstrategien erzeugt. Anhand seiner praxisbezogenen Studien zeigte er eindrucksvoll auf, wie durch eine gezielte Cross-Channel-Vernetzung eine überzeugende Customer Experience entsteht. Der Kunde ist heute allzeit vernetzt, gut informiert und kommt auf unterschiedlichen Wegen zu einer Kaufentscheidung: für ihn besteht keine Trennung zwischen digitaler und analoger Einkaufswelt. Eine erfolgreiche Marketingstrategie betrachtet den Kunden demnach ganzheitlich und holt ihn an diversen Touchpoints ab. Dabei kommt es nicht darauf an, zwangsweise jeden Kanal zu bespielen, sondern eine sinnvolle Verknüpfung der Möglichkeiten zu erreichen: denn ob online oder offline gekauft wird, ist nicht entscheidend, wichtig ist, dass gekauft wird und daher gibt es auch nur ein Marketing – eines nämlich, dass diese Entscheidung unterstützt.

Michael Ochtrop & Stephan Franke – Angst, neuronale Plastizität und Microservices oder warum das Fenster im Baum singt

„Angst, neuronale Plastizität und Microservices oder warum das Fenster im Baum singt“: Unsere Kollegen Michael Ochtrop und Stephan Franke gingen anschließend der Frage nach wie wir als Unternehmen den temporeichen Wandel bewältigen können und zu einer lernenden Organisation werden, die Veränderung begrüßt. Zwei Perspektiven sind dabei von Bedeutung: Auf der einen Seite stehen der Mensch und die Frage, warum unser Gehirn häufig zunächst mit Angst auf Neues reagiert. Oftmals besteht diese Angst nicht vor der neuen Situation an sich, sondern davor nicht schnell genug lernen zu können. Andererseits bietet moderne Technik Möglichkeiten, solche Lernprozesse stressfreier zu gestalten und zu unterstützen. Sogenannte Microservices begünstigen etwa die Vernetzung einzelner Dienste und losgelöster Businessprozesse aus bisher verwendeten mächtigen Kernapplikationen. Neue Methoden und Arbeitsweisen helfen Menschen außerdem, sich neu zu organisieren. Neben der natürlichen Angst vor Veränderung ist es daher vor allem die Neugier in uns Menschen, die uns immer wieder doch zu Veränderung treibt. Jetzt bleibt noch die Frage: „Warum singt denn nun das Fenster im Baum?“ Natürlich gar nicht, aber der Vogel hätte Ihre Neugier wohl kaum geweckt. 😉

Matteo Cagnazzo – Anonymität im Internet – Hackerkultur oder etwas für jedermann?

Den Abschluss bildete der Vortrag „Anonymität im Internet – Hackerkultur oder etwas für jedermann?“ von Matteo Cagnazzo. Er nahm uns mit auf die dunkle Seite des Internets und gewährte uns einen unterhaltsamen und informativen Eintritt in das Darknet. Anhand ausgewählter Beispiele machte er deutlich, dass hier neben kriminellen Aktivitäten auch politische Anonymität zum Schutz vor Verfolgung eine Rolle spielt. Nicht alles im Darknet bewegt sich in der Illegalität: viele Nutzer wünschen sich Anonymität, dies gilt vor allem für Länder und Gesellschaften, in denen die Privatsphäre und Redefreiheit des Einzelnen bedroht oder eingeschränkt sind. Hier agiert das Darknet als Portal in die „freie“ Welt und macht es möglich, Kontakte zu halten und Informationen sicher zu übermitteln. Des Weiteren ist in den letzten Jahren eine wachsende Kapitalisierung im Bereich von Crypto-Währungen, die hier als Zahlungsmittel dienen, zu beobachten. Die zunehmende Bedeutung z.B. von Bitcoins als reale Währung könnte zukünftig weitere Nutzungsmöglichkeiten eröffnen. Erste seriöse Firmen expandieren mit gezielten Shops bereits auch in diese Netzsphäre. Es lohnt sich also das Darknet auch als Privatperson zu beobachten und etwaige Trends und Nutzungsmöglichkeiten zu kennen – es ist etwas für jedermann dabei.

Nach den einzelnen Beiträgen ergaben sich spannende Diskussionen und weiterführende Fragestellungen, denen in entspannter Atmosphäre zunächst im Rundeindicker der Zeche Zollverein und abschließend bei einem gemeinsamen Abendessen mit spektakulärem Blick im Erich Brost Pavillon weiter nachgegangen wurde.