Der Typ am Flipchart ist Ende 40, Anfang 50. Hosenträger, Brille, Shirt, grauer Vollbart. „Wenn 80.000 Leute im Stadion aufstöhnen oder raunen – was ist das?“ Nach kurzer Überlegung ist klar: Gesucht ist „Non-verbale Kommunikation“. Im Gegensatz übrigens zu „schieß doch endlich!“ – das wäre verbale Kommunikation.

Dass Kommunikation so viel mehr sein kann als das gesprochene Wort, das wird allen schnell klar. Ein Blick, der Tonfall, aber auch die Körperhaltung, die Sitzposition oder auch die Atmung, all das hat Einfluss darauf, wie wir und unsere Botschaft von anderen wahrgenommen werden. Oder in anderen Worten: Wie der Empfänger unsere Botschaft interpretiert, was man dabei alles beachten sollte oder auch falsch machen kann wurde in dieser Session auf dem Agile Ruhr Day diskutiert.

Agile Day? Der Agile Ruhr Day ist ein offenes Barcamp im Unperfekthaus in Essen. Das Ziel: Austausch fördern und Anregungen geben. Für uns also die perfekte Gelegenheit, neue Inspiration zu holen.

Aber der Reihe nach. Los ging es morgens mit einem Frühstück und dem „ersten gegenseitigen Beschnuppern“. Rund 160 Interessenten aus unterschiedlichsten Branchen hatten ihr Kommen angekündigt. In der Eröffnungssession wurde bei der Planung deutlich: Es gibt eine Menge spannender Themen zu diskutieren. Ob – wie oben angeschnitten – Kommunikation, Recruiting, „agile Spiele“, Transformation oder die psychologischen Konstrukte hinter der individuellen Motivation; es gab für jeden etwas. Diskutiert wurde meist sehr intensiv, völlig unabhängig von Branche, Tätigkeit oder Hierarchie.

Ein Schwerpunkt: Was motiviert uns? Sind wir intrinsisch getrieben, oder folgen wir schlicht dem „Ruf des Geldes“? Oder doch etwas ganz anderem? Dass diese Bedürfnisse bei jedem Menschen zwar durchaus ähnlich, aber doch auch grundverschieden sind, untermalte Prof. Dr. Monika Burg in ihrem Vortrag mit kleineren Rollenspielen. In einem anderen Vortrag vertrat Dennis Willkomm die These „Agilität geht nicht ohne Psychologie“. So durchlebe jeder Mensch im Leben verschiedene Phasen wie beispielsweise die Ego-Phase als kleines Kind. Dass man damit in der Zusammenarbeit nicht weit kommt („…es sei denn, man ist Präsident eines großen Landes…“) war natürlich allen klar. Seine Schlussfolgerung: Wer sich mit Agilität erfolgreich beschäftigten will, der muss nicht nur für jede Lage oder jeden Gegenüber die passende Kommunikationsstrategie bei der Hand haben, er muss sich auch an veränderte Situationen anpassen sowie konstruktiv und effektiv mit seinen Nebenleuten interagieren können.

Sehr angeregt diskutiert wurde auch über die Karriere bzw. das Recruiting in agilen Unternehmen. Klassisch? Neue Wege? Oder in Shakespeares Worten: „Titel oder kein Titel?“ – das ist hier die Frage. Wo das eine Unternehmen – vielleicht auch mangels entsprechender Größe – auf die klassischen Personaler setzt, gehen andere Firmen andere Wege und arbeiten mit Peer-Recruiting: Vorstellungsgespräche werden so vor allem von denen geführt, die in der täglichen Arbeit mit den potenziellen neuen Kandidaten zusammenarbeiten sollen – den Experten des jeweiligen Fachbereichs. Erst, wenn die den Daumen heben, übernehmen die Chefetage oder ein zuständiger Personaler für Gehaltsverhandlungen.

 

Bei der Frage in der Überschrift ging es natürlich nicht um die berühmten grauen Dickhäuter. Vielmehr geht es um ein „dickes, schweres Problem“. Wie geht man mit so etwas im Gespräch um? In der Tat ein Thema, bei dem das Finden der richtigen Worte nicht immer leicht ist. Trotzdem war die Session gut besucht und es wurde fleißig gebrainstormt.

Was ist eigentlich „agil“? Dem Thema kann man sich – wie dieser Tag zeigt – von ganz unterschiedlichen Seiten nähern. Für uns war diese erste Teilnahme an einer Veranstaltung dieses Formats in erster Linie ein „Sammeln von Eindrücken“. Auch wenn wir in diesem Jahr keinen eigenen Beitrag platziert haben: Der Austausch war sehr interessant; genauso, wie die Gelegenheit die Ansätze von anderen zu verfolgen. Im nächsten Jahr sind wir wieder dabei. Ganz bestimmt.