Wenn helle Köpfe aus dem E-Business aufeinander treffen, könnte man meinen, sie reden nur über neue Marketingtechnologien, Datenschutz, Design und Digitalisierung. Da aber ausgerechnet Empathie das Leitmotiv unserer ThinkChange am 25. September 2019 war, gestaltete sich bereits die Planung des Events überaus einfühlsam. Mit großer Sorgfalt haben wir die Speaker und ihre Themen ausgewählt, um unseren Gästen ein inspirierendes und unterhaltsames Programm zu bieten. Nun wagen wir den empathischen Rückblick.

 

Gedanken ins Jetzt – weg mit dem Monkey-Mind

Kerstin Wilke, Marketing Director bei communicode, begrüßt unsere Gäste im Red Dot Design Museum auf Zeche Zollverein Essen und stimmt sie auf das Programm des Tages ein. Die Vorfreude auf das Programm ist für alle greifbar und bietet Achtsamkeits-Coach Justus Ludwig den idealen Einstand in seinen Vortrag. Er greift das Leitmotiv „Empathie“ auf und bringt dem Publikum auf seine besondere Art näher, warum sie auch im geschäftlichen Alltag so wichtig, ja sogar unverzichtbar ist. Zu oft am Tag denken wir an die Vergangenheit, noch öfter an die Zukunft. Und zu selten sind unsere Gedanken im Hier und Jetzt. Stattdessen sind wir von unserem „Monkey-Mind“ so ferngesteuert, dass wir unsere Tage kaum noch bewusst erleben. Eine kleine Achtsamkeitsübung macht uns diesen Umstand besonders deutlich. In den Gesichtern der Zuschauer spiegelte sich pure Dankbarkeit gegenüber Justus Ludwig für dieses erste grandiose Aha-Erlebnis.

Mit Empathie Kunden gewinnen und halten

Empathie ist auch der Schlüssel, um im Online-Handel das Vertrauen seiner Kunden zu gewinnen, wie Prof. Dr. Maik Eisenbeiß eindrucksvoll gezeigt hat. Während sich Verkäufer und Käufer im stationären Handel für gewöhnlich in die Augen blicken und das Vertrauen durch den persönlichen Kontakt herstellen können, ist die Geschäftsbeziehung im Netz doch eher anonym. Die Distanz zum Anbieter schafft Unsicherheiten, die man nur mit vertrauensfördernden Maßnahmen aus der Welt schaffen kann.

Maik Eisenbeiß macht deutlich, dass personalisierte Werbung im Internet nur dann funktioniert, wenn ich den Anbieter auch kenne und ihm bereits ein Stück weit vertraue. Das Vertrauen wird in drei Arten aufgeteilt: Merkmalbasiertes, prozessbasiertes und institutionelles Vertrauen. Im Idealfall schafft der Anbieter in allen drei Bereichen eine solide Basis und kann so auch langfristig mit finanziellem Erfolg rechnen. Die bloße Investition in mehr und noch mehr Werbung würde hingegen keine befriedigenden Ergebnisse liefern. Wer aber Empathie für seinen Kunden zeigt und mit den richtigen Handgriffen das Vertrauen fördert, kann auch auf Dauer am Markt bestehen.

Das lockere Abklopfen zwischendurch

Zur Mittagszeit meldet sich noch einmal Justus Ludwig zu Wort und vollzieht eine kleine Achtsamkeitsübung mit allen interessierten Gästen und Speakern, was von den Anwesenden dankend angenommen wurde. Eine leichte, sportliche Einheit vor dem Lunch hat schließlich noch niemandem geschadet und hat die Teilnehmer optimal auf die kommenden Inhalte vorbereitet.

Während der Pause lausche ich beiläufig den Gesprächen unserer Gäste und tausche mich auch selbst mit verschiedenen Menschen aus. Ich finde es beachtlich, wie sehr sich die Teilnehmer auf unser Rahmenprogramm einlassen. Viele Wortwechsel drehen sich tatsächlich um die eigene Wertschätzung gegenüber Familie, Freunden und Mitarbeitern. Es ist noch nicht einmal Halbzeit auf der ThinkChange 2019. Ihre Wirkung hat sie aber schon jetzt nicht verfehlt.

Bereit für die Zukunft?

Frisch gestärkt und voller Elan geht es nun an die elementare Frage, ob wir wirklich bereit für die Zukunft sind. Raketen, mit denen wir von einem Kontinent zum anderen reisen. Autos, die Hindernisse nicht nur erkennen, sondern interpretieren können. Roberto Vlad von unserem Partner CoreMedia führt uns eindrucksvoll vor Augen, wie die Zukunft aussehen wird und wie sich Marketing und Handel in den kommenden Jahren verändern werden. Wo geht die Reise hin? Teilweise können wir nur Mutmaßungen anstellen, teilweise klare Prognosen. In jedem Fall bleibt dieses Thema ungemein spannend.

Und welchen Löwen fütterst du?

Bin ich eine Jammerfliege, die alles um sich herum zersetzt? Oder bin ich vielleicht doch ein Löwe, und wenn ja: welcher? Schließlich erzählt Loredana Meduri, die weibliche Protagonistin bei Meduri & Spanu, von zwei Löwen, die jeder Mensch in sich trägt. Sich gegenüber stehen der aggressive und der souveräne Löwe und tragen einen ständigen Kampf in uns aus. Wer gewinnt? „Immer der, den du fütterst.“ Die bewusst eingelegte Sprechpause wird vom berühmten fallenden Groschen der Zuhörer übertönt. Die Welle der Erkenntnis rollt aber noch weiter. Denn Alessandro Spanu legt direkt nach, indem er festhält, dass wir uns bei anderen Menschen niemals lange an Worte oder Taten erinnern, sondern immer an das Gefühl, das diese Menschen in uns ausgelöst haben. Das gilt natürlich privat wie beruflich.

Zum guten Schluss haben die beiden – ich sage es einfach mal – Highlights des Tages dem ganzen Publikum nahe gelegt, auch mal Fehler zuzulassen und das Tun mehr zu genießen. Schließlich kann trotz kleinerer Mängel am Ende noch immer ein fantastisches Ergebnis dabei herauskommen. Denn wer hätte schon Bock auf den geraden Turm von Pisa?

Software-Entwickler und Empathie? Sachen gibt’s

Dass Software-Entwickler und IT-Experten am liebsten nur in Einsen und Nullen denken und mit Menschen so gar nicht können, ist ein altes Klischee und trifft den Kern der Wahrheit nicht mal im Ansatz. Das zeigen Thomas Kopatz und Peter Rossbach in ihrem Vortrag. Denn woher kommen denn die Anforderungen an die Software? Aus dem Bedürfnis der Anwender. Ohne ein empathisches Verständnis dafür, was der User braucht und möchte, kann ein Entwickler keine Zielvorgabe erkennen und wird sich über kurz oder lang in einem Programm verrennen, das den eigentlichen Nutzen ganz und gar verfehlt.

Mit Zimmermann und Zimmermann in den Endspurt

Was an dieser Stelle gleich klingt sollte dem Abend noch einmal mit richtig viel Abwechslung versorgen. Zuerst betritt Dr. Philipp Zimmermann von Evonik die Bühne. Auf anschauliche Weise erklärt er den Zuschauern, wie wichtig die Mitarbeiter gerade in einem großen Unternehmen sind. People Development betrifft jedes Unternehmen, das sich langfristig am Markt halten möchte. Wie vermittle ich Kompetenzen? Und wie erkenne ich eine innovativ ausgerichtete Führungskraft? Für gutes People Development muss ein jeder seine innere Komfortzone verlassen und sich seinen Mitarbeitern zuwenden. Was ein gesundes Change Management an positiven Emotionen auslöst, lässt sich hier nur ansatzweise erahnen und doch sind alle begeistert.

Dass man nicht nur mit seinen Mitarbeitern, sondern vielleicht auch ab und zu mit der Konkurrenz empathisch und zugewandt umgehen sollte, zeigt zu guter Letzt Martin Zimmermann von der Otto Dörner GmbH. Das Entsorgungsunternehmen hat sich seine eigenen Strukturen zur Brust genommen, Prozesse analysiert und gemeinsam mit seinen Kollegen ein System entwickelt, das langfristig der gesamten Entsorgungsbranche helfen soll. So zeigt Martin Zimmermann eindrucksvoll, dass man mit ausreichend Empathie den eigenen Erfolg sichern kann, ohne die Mitbewerber schwächen zu müssen.

 

Nun ist die ThinkChange 2019 vorbei. Die Dankbarkeitsliste für diesen Tag ist lang. Die vielen wertvollen Eindrücke lassen sich leider nicht im Detail festhalten. Was bleibt, ist das Gefühl, den Mitmenschen mehr Wertschätzung entgegenbringen zu wollen und zwischendurch nach innen zu horchen. Mit der Tiramisu-Methode zieht mehr Leidenschaft in den Berufsalltag, damit Kollegen und Kunden die so wichtigen Emotionen nicht zu spät erfahren: Dankbarkeit und Freude.